Reparaturlackierung – wirtschaftlich sinnvoll und technisch einwandfrei
Die Vielfalt an Farbtönen, die für ein Fahrzeug heute zur Auswahl stehen, ist groß. Bedenkt man zusätzlich, dass kaum ein Farbton rein, d.h. als rot, blau oder grün zur Anwendung kommt, sondern durch Effektpigmente wie Metallic, Pearl, Mica oder Chromaflair optisch aufgewertet wird, wird die Farbvielfalt für den Laien schier unüberschaubar.
Trotzdem wird erwartet, dass im Reparaturfall geeignete Verfahren verfügbar sind, die nicht nur die ursprüngliche Schutzfunktion der Lackierung wiederherstellen, sondern auch bei wirtschaftlicher Vorgehensweise ein optisch einwandfreies Ergebnis liefern.
Entsprechend besteht die Aufgabe der Lackfachkraft darin, den wirtschaftlichsten Reparaturweg auszuwählen und nach durchgeführtem Lackaufbau durch Spachteln, Füllern und Schleifen die reparierten bzw. ersetzten Teile durch eine fachgerechte Decklackierung so zu beschichten, dass weder ein Farbton- noch ein Effektunterschied zu erkennen ist.
Sonderlackierung "Monte Carlo Magic"
Obwohl es durch unterschiedliche Herstellerwerke, wechselnde Lacklieferanten und Lackqualitäten in der Produktion der Fahrzeuge zu Farbnuance-Abweichungen kommen kann, gibt es Möglichkeiten, den richtigen Farbton zu ermitteln. Sowohl Fahrzeughersteller als auch Reparaturlackhersteller bieten hierzu eine Reihe von Hilfsmitteln bzw. Arbeitsverfahren in ihren Lackleitfäden an.
Für die eigentliche Instandsetzung stehen je nach Art und Lage der Beschädigung unterschiedliche Verfahren zur Verfügung, die wirtschaftlichen und technischen Ansprüchen gleichermaßen gerecht werden.
Farbtondokumentation/Farbtonfindung
In der Regel dokumentiert der Fahrzeughersteller den Farbton an einer Stelle im Fahrzeug. Der Lackierer liest den Farbcode z.B. vom Typenschild des Fahrzeuges bzw. aus der Fahrzeugident-Karte und sucht diesen Farbton in der Dokumentation (z.B. Farbtonkartei) seines Lackherstellers und vergleicht diese im Reparaturbereich mit einem angrenzenden Teil. Auch verschlüsselte Farbcodes (z.B. Ford) können über die Computerwaage bzw. über Lackcode-Bücher entschlüsselt werden.
Normalerweise sind bereits im Farbtonfächer verschiedene Nuancen des Farbtones hinterlegt. Beispielsweise können für einen Silberfarbton eine gelbliche, eine rötliche, eine hellere oder dunklere Variante (Nuance) hinterlegt sein. Somit kann der Lackierer zumindest die Richtung des Farbtones bestimmen und diesen an der Mischanlage ausmischen.
Als nächster Schritt sollte ein Musterblech mit dem ausgemischten Farbton lackiert werden. Es ist darauf zu achten, entsprechend der anschließenden Lage der zu lackierenden Flächen (liegend oder stehend) das Musterblech auch liegend bzw. stehend zu lackieren. Ebenso sind beim Musterblech Besonderheiten des Untergrundes der Lackierung (z.B. Tönfüller) zu beachten. Idealerweise wird das Musterblech von dem Lackierer angefertigt, der anschließend die Lackierarbeiten am Fahrzeug ausführt. Mit diesem Musterblech kann nun am Fahrzeug im Reparaturbereich verglichen werden, ob die Nuance des Farbtones passt. Falls nicht, kann noch innerhalb farbtonabhängiger Grenzen nachnuanciert werden.
Auch durch Verändern der Spritztechnik bzw. des Spritzdruckes kann ein Farbton zumindest in seiner Helligkeit variiert werden. Hierfür liefert ebenfalls das Musterblech wichtige Informationen. Der so vorbereitete Basislack kann in der Regel auf „Stoß“ lackiert werden. Für den Fall, dass dies so nicht möglich ist, stehen verschiedene Methoden des Beilackierens - auch als Einblenden bekannt - zur Verfügung, die der ausgebildete Lackierer anwenden kann.
Beilackieren im Teil
Um eine „unsichtbare“ Reparaturlackierung durchführen zu können, stehen dem Lackierfachmann verschiedene Verfahren zur Verfügung:
Die häufigste anwendbare Methode der Farbangleichung ist das Beilackieren im Teil. Dieses Verfahren kann immer dann angewendet werden, wenn die Schadenstelle in der Bauteilmitte bzw. am Bauteilrand mit genügend Abstand (30-40 cm) zum angrenzenden Teil liegt.
Zuerst wird die vom Karosseriefachmann instandgesetzte Fläche partiell geschliffen (Übergang z.B. P120), danach wird mit feinem Schleifpad der Randbereich großzügig mattiert. Nachdem die Fläche durch Spachteln und Schleifen wiederhergestellt wurde, kann der Füller partiell auf den Spachtelfleck aufgetragen werden.
Sobald die Reparaturstelle auf Fläche geschliffen ist, kann nun das gesamte Bauteil mit Schleifpad bzw. pad super fine mattiert werden. Auch hier ist es wichtig, darauf zu achten, dass nicht mit Schleifpapier oder gar mit Exzenterschleifer gearbeitet wird, da auch hier die Originalstruktur der Lackierung plangeschliffen würde. Anschließend wird nun der Basislack im Füllerbereich auslaufend (Nebelgang) gespritzt – und somit die Angleichung des Farbtones und des Effektes innerhalb der Fläche erreicht.
Nach ausreichender Ablüftzeit (Angabe Lackhersteller) wird der erste Spritzgang Klarlack bis ca.15 cm vor Ende des Bauteiles gespritzt – erst der zweite Spritzgang Klarlack wird dann auf das gesamte Teil lackiert. So bleibt durch den Schliff mit einem Pad und die geringe Klarlackschicht die Originalstruktur und somit der optische „Originalzustand“ erhalten.
Allein das Schleifen der bestehenden Klarlackschicht mit Schleifpapier und das Überlackieren mit zwei vollwertigen Klarlackschichten – glatter gespritzt als bei der Werkslackierung – würde unter Umständen bereits die Wahrnehmung des Farbtones verändern, obwohl nur Klarlacklackiert wurde.
Kalkulation
Es wird die Lackierzeit der Reparaturlackierung bis 50% Schadenfläche (Stufe III nach AZT Schwacke, Lack instandsetzen LI nach Audatex bzw. Stufe 2 nach DAT) für das zu lackierende Teil aus der jeweiligen Kalkulationsunterlage entnommen.
Da eine Farbton- und eine Effektangleichung innerhalb eines Teiles statt finden, wird das unnötige Lackieren angrenzender Teile verhindert. Ebenso fallen keine Rüst- und Montagezeiten für die angrenzenden Teile an. Bei einem Abstand der Füllerfläche von weniger als 30 cm zum nächsten Bauteil ist das Beilackieren im Teil nur noch vereinzelt durchführbar.
Die „unsichtbare“ Reparaturlackierung
Für die Lackiertechnik allgemein gilt: Der Weg zur richtigen Reparaturlackiertechnik sollte jeweils schadenabhängig festgelegt werden. Beginnend mit der Prüfung, ob der Schaden mit spot-repair instandgesetzt werden könnte oder ob das Beilackieren im Teil notwendig ist, bis hin zur Überlegung ob tatsächlich das Beilackieren der angrenzenden Teile notwendig ist, um den Farbton anzugleichen. Trotz Farbenvielfalt und immer neuen Effekten bei den heutigen Autolacken sollte es der ausgebildeten Lackfachkraft bei Anwendung der Hilfsmittel und Informationen der Lackhersteller und der Automobilindustrie auch in Zukunft möglich sein, eine „unsichtbare“ Reparaturlackierung durchzuführen, die auch wirtschaftlichen Anforderungen standhält.
Durch die unterschiedlichen Verfahren des Beilackierens ist es dem Lackierer möglich, die Reparaturlackierung auch schwieriger Farbtöne so auszuführen, dass nach Fertigstellung der Arbeiten kein Farb- und Effektunterschied festzustellen ist. Im Einzelnen handelt es sich hier um das Beilackieren im Teil und um den Farbtonangleich in angrenzenden Teilen. Bei der Spot-Lackierung wird der Fokus der Reparaturlackierung nur auf den beschädigten Bereich innerhalb des betroffenen Teiles und nicht auf das ganze Teil gelegt.