Geschichte des AZT-Automotive: Gründung des neuen Instituts für Kraftfahrzeugtechnik
„Die Versicherungswirtschaft befasst sich mit der Rationalisierung auf der Schadenseite“ – so fasste Werner Brugger, Vorstandsmitglied der Allianz Versicherungs-AG rückblickend die Überlegungen zusammen, die dazu führten, imJahr 1971 das Institut für Kraftfahrzeugtechnikzu gründen.
Schadenverhütung wurde zum Ende der 1960erJahre auch für die Sparte Kraftfahrzeugversicherung diskutiert. Im Frühjahr 1970 fiel die lange vorbereitete Entscheidung, das Allianz Zentrum für Technik um ein eigenes Institut für Kraftfahrzeugtechnikzu erweitern. Nach einer kurzen Bauzeit von 15 Monaten wurde das Haus mit eigenem Werkstattbereich am 8. Juli 1971 in Ismaning eröffnet. Das Architekturbüro Leyck und Hugle aus München gestaltete einen Stahlbetonbau, der Raum für einen Werkstattbereich mit Forschungsprüfstand und Lackierkabine im Max Danner bei der Eröffnung des neuen Hauses am 8. Juli 1971 Erdgeschoss, und einen Hörsaal, Büros und Kantine für ca. 50 Personen in den Obergeschossen bot.
Das neue Institut war einzigartig in Europa. Hier sollten die Untersuchung von Reparaturmethoden, Schadenursachenforschung und Verkehrs und Betriebssicherheit im Blickpunkt stehen. Ziel war es, Impulse zur Entwicklung eines reparaturfreundlichen Autos zu geben. Dazu wares notwendig, praxisorientierte Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Verkehrs- und Betriebssicherheit der Kraftfahrzeuge zu betreiben. Die Ergebnisse dieser Arbeiten sollten nicht nur der Allianz Versicherung, sondern auch ihren Kunden zugute kommen.
Alfred Haase, Vorstandsvorsitzender der Allianz, stellte die neue Herangehensweise in seiner Eröffnungsrede vor: „Unser Anliegen ist, von der technischen Seite mitzuhelfen, dem Reparaturgewerbe und der Automobilindustrie Wege zu zeigen, wie man schneller und auch preisgünstiger Unfallreparaturen durchführen kann.“
Die Kraftfahrzeugversicherung entwickelte sich nach dem zweiten Weltkrieg zur größten und wichtigsten Branche bei der Allianz. Entsprechend galt ihr besondere Aufmerksamkeit innerhalb des Unternehmens. Das wurde auch in der Struktur sichtbar.
In der Ära Alfred Haases (1962-1972) und Werner Bruggers (1964-1973) wurde neben den klassischen Abteilungen Kraft-Betrieb und Kraft-Schaden der Bereich Kraft-Technik geschaffen. Er wurde aus der Schadenabteilung ausgegliedert und als eigenständige Abteilung für Kraftfahrzeugtechnik und Verkehrssicherheit unter der Leitung von Max Danner mit zunächst zwei Mitarbeitern etabliert. Die Abteilung hatte die Aufgabe, parallel zur damaligen Form der Schadenbearbeitung technische Problemlösungen zur Abwicklung von Versicherungsfragen zu entwickeln. In den 1960er Jahren waren bei der Schadenbearbeitung die entsprechenden Reparaturkosten von den Werkstätten mangels Herstellervorgaben relativ üppig kalkuliert worden, was von den Mitarbeitern der Schadenabteilung, die in der Regel Kaufleute oder Juristen waren, nicht effektiv überprüft werden konnte. Diese Praxis hatte keine Zukunft. Um auch eigenständige Kalkulationen zu ermöglichen, organisierte Kraft-Technik zunächst den systematischen Ausbau des technischen Schaden-Außendienstes an den verschiedenen Standorten der Allianz in Deutschland. So wollte man erreichen, dass allgemein gültige Reparaturmethoden und Arbeitszeitvorgaben entwickelt und auf breiter Basis akzeptiert wurden. Die Vermittlung solcher Standards und eine laufende Schulung der Sachverständigen gehörten bereits zu den Aufgaben von Kraft-Technik, bevor sie vom Allianz Zentrum für Technik übernommen wurde.
Besonders vor dem Hintergrund der wachsenden Motorisierung wurde ein grundlegendes Umdenken beim Management mit ständig steigenden Schäden notwendig. Die fortschreitende Motorisierung und stark gestiegene Neuwagenpreise brachten der Kraftfahrzeugversicherung einerseits entsprechenden Prämienzuwachs, andererseits jedoch einen erheblichen Anstieg der Schadenhäufigkeit und der durchschnittlichen Schadenhöhe.
Wie schon seit Jahrzehnten waren immer wieder Tarifanpassungen und -veränderungen nötig, später die Einführung von Schadenfreiheitsrabatten und Selbstbeteiligungen, um das ungünstige Verhältnis von Prämieneinnahmen und Schadenaufkommen positiv zu beeinflussen. Dieses mühsam aufrecht erhaltene Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben geriet Ende der 1960er Jahre aus dem Lot.
Im Jahr 1970 hatten sowohl die Unfallzahlen, als auch Schäden und Schadenhöhen einen Höchststand erreicht. Der Verlust der Allianz in der Kraftfahrtversicherung im Jahre 1970 betrug 154 Millionen DM. Allein in der Sparte Krafthaftpflicht wurden 2,8 Mio. Schadenfällegemeldet. Der Gesamtschadenaufwand aller deutschen Kraftversicherer betrug damals 4,4 Milliarden DM, davon entfielen allein 58 Prozent auf die Reparaturkosten. Nun ging es darum, wirksame und dauerhafte Lösungen zu finden, um die Schadenhäufigkeit und die durchschnittliche Schadenhöhe zu senken.
Schon 1970 wurden Sanierungsmaßnahmen in der Kraftfahrtversicherung und im Industriegeschäft eingeleitet. Dazu gehörte beispielsweise die Dezentralisierung der Schadenbearbeitungund die Einführung der Schadenschnelldienststationen seit Anfang der 1970erJahre. Dabei reichte es nicht, sich weiterhin nur versicherungstechnischer Mittel zu bedienen. Angesichts der Kostenlawine wurde es unumgänglich, auch auf dem Gebiet Kraftfahrzeugtechnik Schadenforschung zur Reduktion der Unfallreparaturkosten zu betreiben. Die Arbeit der Abteilung Kraft-Technik bezog sich Ende der 1960er Jahre auf die Haupttätigkeitsfelder Gutachtenerstellung, Nutzungskostenausfallberechnung sowie Schulung des technischem Außendienstes in Bezug auf Reparaturmethoden und -kalkulationen.
Bis 1970 wurde sie auch außerhalb der Allianz zu einem Ansprechpartner für die Automobilindustrie, die übergreifenden Fachgremien und Ausschüsse sowie die Medien bei Fragen zu den Themen Auto und Verkehrssicherheit. Das führte dazu, dass die Abteilung Anfang der 1970er Jahre auf acht Mitarbeiter aufgestockt wurde und der Abteilungsleiter Max Danner mit der Einrichtungder technischen Ausstattung und personellen Besetzung des neuen Instituts für Kraftfahrzeugtechnik beauftragt wurde. Er wurde auch erster Geschäftsführer mit nun 30 Mitarbeitern. Nach der Eröffnung im Jahr 1971 übernahm das Institut viele der Arbeitsgebiete von Kraft-Technik und konnte so in vollem Umfang von den Erkenntnissen der Arbeit früherer Jahre profitieren.
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