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Fahrbericht Fiat Stilo Multiwagon
Auf das Ende kommt es an
Der Fiat Stilo Multi Wagon ist da. Der Kompakte mit dem praktischen Heck ist kein normaler Kombi. Sein variabler Innenraum könnte auch Interessenten überzeugen, die bislang eher mit einem Mini-Van geliebäugelt haben. Wir haben dem stattlichen Italiener unters Blech geschaut.
Flucht nach vorn
Schulden in Milliardenhöhe und ein Marktanteil, der in Italien von 50 auf 30 Prozent eingebrochen ist - die Automobilsparte von Fiat steht mit dem Rücken zur Wand. 20 neue Modelle im Fiat-Konzern bis 2005 und jährlich 2,6 Milliarden Euro Investitionen sollen die Trendwende bringen. Den erwarteten weiteren Umsatzschwund im Mutterland will Fiat durch Wachstum in anderen europäischen Ländern mehr als kompensieren. Eine schwere Aufgabe also für den Fiat Stilo Multi Wagon, der jetzt den Reigen der Neuerscheinungen eröffnete.
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Stattliches Ergebnis
Massig präsentiert der Stilo Multi Wagon seine 4,51 Meter Länge. In der Höhe überragt er den Fünftürer um stattliche viereinhalb Zentimeter. Soviel Luft über dem Scheitel beschert den Fahrgästen ein Raumgefühl fast wie in einem Van. Im neuen Fiat lassen sich die Rücksitze zwar nicht herausnehmen oder im Wagenboden versenken, doch die gebotene Variabilität geht weit über einen normalen Kombi hinaus: Lehne vom Beifahrersitz nach vorne klappen und das Heckfenster separat öffnen - schon lässt sich eine Leiter transportieren, die auch zur Renovierung hoher Altbauwohnungen taugt. Die asymmetrisch geteilte Rückbank ist um 16 Zentimeter längs verschiebbar, was den Gepäckraum von 510 auf 550 Liter vergrößert. Maximal stehen 1.480 Liter zur Verfügung.
Sicher auf allen Plätzen
Bambinis sind auf den äußeren Fondplätzen durch Isofix-Verankerungen sicher untergebracht. Für eine bequeme Schlafposition im Kindersitz kann die Lehne der Rückbank etwas nach hinten geneigt werden. Sicher wie in Abrahams Schoß sollen auch erwachsene Passagiere reisen: Bis zu acht Airbags helfen, die schlimmsten Unfallfolgen zu vermeiden. Dass die Basisversion Multi Wagon serienmäßig ohne hintere Kopfairbags auskommen muss, ist eine Reaktion auf das Kaufverhalten beim drei- und fünftürigen Stilo. Bei Fiat erklärt man sich die Kaufzurückhaltung damit, dass ein sparsam ausgestattetes Modell im Angebot bislang fehlte.
Fiat mit viel drin
Doch was heißt schon sparsam? Das Basismodell Stilo Multi Wagon 1.6 16V bietet bereits ABS, Front-, Kopf- und Seitenairbags für die vorderen Passagiere, eine Funk-Zentralverriegelung, beheizbare Außenspiegel und Nebelscheinwerfer. Ebenfalls serienmäßig: die Fiat-Erfindung My Car, die persönliche Einstellungen für verschiedene Fahrer speichert. Im darüber angesiedelten Multi Wagon Active gibt es ab 17.200 Euro zudem das elektronische Stabilitätsprogramm ESP, die Antischlupfregelung ASR gegen durchdrehende Vorderräder und MSR (Motorschleppmomentregelung), die beim ABS-Einsatz die störenden Antriebskräfte ausschaltet. Ein Kassettenradio mit sechs klangstarken Lautsprechern ist ebenfalls an Bord. Beim Topmodell Dynamic weicht ab 18.600 Euro das Kassettenteil einem CD-Spieler. Mehr Komfort versprechen hier auch die serienmäßige Klimaanlage, eine Mittelarmlehne sowie das separat zu öffnende Heckfenster. Einziger Lapsus: Der in Gefahrensituationen so wichtige Bremsassistent (verkürzt den Bremsweg) bleibt dem Topmodell vorbehalten. Das sollte Fiat nochmals überdenken!
Diesel gegen Benziner
Bei einer ersten Probefahrt konnten wir den Multi Wagon 1.6 16V (103 PS/76 kW) mit dem 1.9 JTD (115 PS/85 kW) Dynamic vergleichen (20.900 Euro). Erwartungsgemäß passt der antrittsstarke Common-Rail-Diesel besser zum Nutzcharakter des Multi Wagon als der etwas durchzugsschwache Benziner, der Drehzahl fordert. Entsprechend häufig muss zum exakt geführten Schalthebel gegriffen werden. Auch akustisch kann der Benziner - zumindest subjektiv - keinen Vorteil verbuchen, das sonore Brummen des Diesels wird niemals lästig. Beide brauchen gut elf Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h. Ähnlich minimal sind im Alltag auch die Unterschiede bei der Höchstgeschwindigkeit. Der zwölf PS stärkere Diesel fährt mit 190 km/h dem 183 km/h schnellen Benziner nur langsam davon.
Bauch- oder Kopfentscheidung
Die Stunde des Diesels schlägt an der Zapfsäule: 5,4 Liter gegenüber 7,5 Liter Super. Dennoch rechnet sich der Diesel durch den 2.100 Euro höheren Anschaffungspreis nur für Vielfahrer. Weitere 2.300 Euro Aufpreis gehen auf das Konto der Dynamic-Ausstattung. Beide Multi Wagon überzeugen mit einem komfortablen und zumindest in unbeladenem Zustand unproblematischen Fahrverhalten. Auch ohne Stabilitätsprogramm ESP zeigt sich der Basis-Multi Wagon von seiner besten Seite und absolviert selbst hektische Fahrmanöver ohne Tücken.
Fazit: Wer den Fiat Stilo Multi Wagon 1.9 JTD gefahren ist, möchte ihn nicht gegen den 1,6 16V Benziner tauschen. Leichter fällt da schon, bei der Ausstattung zu sparen. Auch wenn CD-Radio und Klimaanlage - besonders mit Blick auf einen späteren Wiederverkauf - in der gehobenen Kompaktklasse inzwischen fast zum Standard gehören.
(02/03) mototype, Holger Schilp
| Allianz Autowelt Datenblatt |
Fahrzeug | Fiat Stilo Multiwagon |
Motor | 1.910 ccm, 4 Zylinder, Reihe |
Leistung | 85 kW (115 PS) |
Drehmoment | 255 Nm bei 2.000 U/min |
Fahrleistungen | 190 km/h, 0-100 km/h in 11,2 s |
Verbrauch | 5,4 Liter Diesel/100 km |
Schadstoffnorm | Euro 3 |
Gewicht/Zuladung | 1.485 kg leer, 435 kg Zuladung |
Abmessungen | 4.516 x 1.756 x 1.570 (LxBxH) |
Kofferraum | 510 Liter (max. 1.480 Liter) |
Basispreis | 19.500 Euro |
Stand 02/2003
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