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Mobilität braucht Sicherheit
Porsche 911 Carrera

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Fahrbericht
Porsche 911 Carrera

Gameboy im Kopf

Nur drei kleine Ziffern und schon bekommen sowohl kleine als auch ganz große Jungs ein begeistertes Funkeln in den Augen. Was ist dran am Mythos 911? Wir haben uns mit dem Porsche Carrera auf Spurensuche begeben.

Jenseits jeder Norm

Wer nur normale Familienkutschen kennt, bewegt sich mit dem 911 Carrera in einer anderen Welt. Schon beim ersten Gasstoß bellt der Sechszylinder wie ein böser Wachhund. Ein erster Hinweis darauf, was passiert, wenn die 320 PS (235 kW) im Heck von der Leine gelassen werden. Das bei der letzten Modellpflege auf 3,6 Liter Hubraum vergrößerte Boxertriebwerk katapultiert den Sportwagen aus Zuffenhausen in exakt fünf Sekunden von null auf 100 km/h.

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Doch vor der Kür die Pflicht: der Carrera quält sich durch den Stadtverkehr - und zeigt tadellose Manieren. Schaltfaules fahren - kein Problem. Auch wenn das Boxertriebwerk erst bei 4.250 Umdrehungen sein maximales Drehmoment von satten 370 Newtonmetern erreicht. Ohne Murren erträgt der 911 niedertouriges Dahinbummeln, brabbelt dabei aber etwas lustlos vor sich hin. Ab 2.000 Umdrehungen kommt langsam Leben in die Bude: der Carrera holt gut hörbar einmal tief Luft und spannt seine Muskeln. Gasgeben, Gas wegnehmen - das röchelnde Geräusch macht süchtig. Bei 5.000 Umdrehungen legt der Boxer alle Hemmungen ab und presst die Passagiere bis zum roten Bereich (7.500 Umdrehungen) mit Nachdruck in die Sitze. Der 911er giert nach mehr. Darf er aber nicht, denn die noch montierten Winterreifen rücken die maximal möglichen 285 km/h in weit entfernte, verbotene Regionen.

Immer mit der Ruhe

Also in den sechsten Gang schalten und entspannt zur nächsten Ausfahrt rollen. Im Rückspiegel kommt die Meute aufgeblasener Limousinen wieder näher. Und fast keiner kann sich beim Überholen einen Blick auf den endlich erlegten Zuffenhausener Sportwagen verkneifen. Mit einem wissenden Lächeln lässt sie der Porsche-Pilot ziehen und widmet sich stattdessen dem Geradeauslauf, wenn tiefe Spurrinnen dem Carrera ihren Willen aufzwingen wollen. Dennoch: der Carrera liegt satt auf der Straße. Mit der letzten Modellpflege wurde der Auftrieb an der Vorderachse um 25 Prozent, hinten sogar um 40 Prozent verringert. Und das zählt mehr als das erstmals eingebaute Handschuhfach und die frische Optik an Front und Heck.

Endlich Kurven

Der Weg führt endlich in entlegene Regionen. Dort wo sich rauer Asphalt durch enge Täler windet, um schließlich in engem Kurvengeschlängel vorwitzig steile Höhen zu erklimmen, ist der 911 Carrera zu Hause. Gasstöße entlocken dem Heck kehlige Freudenschreie - besonders gut bei geöffnetem Seitenfenster zu genießen - und schleudern 1,4 Tonnen Fahrzeuggewicht mühelos der nächsten Biegung entgegen. Dort wartet die bissig zupackende Vier-Kolben-Bremsanlage auf ihren Einsatz. ABS und das Stabilitätsprogramm PSM weisen im Stakkato auf den nahen Grenzbereich hin. Doch auch ohne aktivierte Anti-Schleuder-Hilfe bleibt der Schwaben-Blitz gut beherrschbar. Dank einer enorm direkten Lenkung lässt sich der Carrera mühelos mit dem Gaspedal um enge Kurven zirkeln. Pinball-Wizzard auf der Straße, Adrenalinschübe inklusive.

Eine Frage des Gefühls

Im Alltag bleiben freilich nur sehnsüchtige Erinnerungen an derart unbeschwerte Stunden. Doch genau darin liegt ein besonderer Reiz, den 911 zu fahren. Jede durch das straffe Fahrwerk nur mäßig gedämpfte Bodenwelle erinnert an das verfügbare Leistungspotential. Ein kurzer Dreh am Lederlenkrad und der Carrera schwenkt fast gierig auf den neuen Kurs ein. Da zeigt er sich wieder - der Sportler. Man muss ihn nicht ständig fordern, denn er ist immer bereit. Dieses Bewusstsein führt normalerweise zu einem ziemlich relaxten Fahrstil - und als Folge davon zu einem überraschend niedrigen Spritkonsum. Mehr als 11,5 Liter Super Plus lässt der Verkehr selten zu. Wer nur im Verkehr mitschwimmt, entdeckt auf dem Bordcomputer sogar regelmäßig die neun vor dem Komma.

Fazit: Auf unseren immerzu verstopften Straßen macht ein 911 Carrera eigentlich nur wenig Sinn. Doch in einem Porsche ist das alles leichter zu ertragen. Schließlich weiß der Pilot ja was möglich wäre, wenn er dem Sportsmobil freien Lauf lassen würde. Wohl dem, der für diesen Spaß 73.544 Euro ausgeben kann.

(12/01) mototype, Holger Schilp

Allianz Autowelt Datenblatt

Fahrzeug

Porsche 911 Carrera

Motor

3.596 ccm, 6 Zylinder, Boxer

Leistung

235 kW (320 PS)

Drehmoment

370 Nm bei 4.250 U/min

Fahrleistungen

285 km/h, 0-100 km/h in 5 s

Verbrauch

11,1 Liter Super Plus/100 km

Schadstoffnorm

Euro 3

Gewicht/Zuladung

1.345 kg leer, 445 kg Zuladung

Abmessungen

4.430 x 1.770 x 1.305 (LxBxH)

Kofferraum

130 Liter

Basispreis

73.544 Euro

Stand 12/2001

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