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Fahrbericht Volkswagen Multivan
Größer, feiner, besser
Auf den ersten Blick hat sich nicht viel geändert, doch der Schein trügt: Der neue VW Multivan glänzt mit neuen Motoren, einem neuen Fahrwerk und vielen pfiffigen Details. Im direkten Vergleich wird deutlich: Der brandneue T5 überragt seinen erfolgreichen Vorgänger T4 in allen Dimensionen.
Der Nobel-Laster
Wie sich die Zeiten ändern: Der erste VW-Bus (T1), liebevoll Bulli getauft, war bei seiner Premiere im Jahr 1950 ein puristischer Geselle, eher Nutzfahrzeug als Personentransporter. Und erst der dreizehn Jahre lang erfolgreich gebaute Vorgänger (T4) erreichte mit Frontmotor und -antrieb erstmals annähernd Komfort und Fahreigenschaften einer Limousine. Äußerliche Kennzeichen des neuen Multivan: verdeckte Führungsschienen für die seitlichen Schiebetüren, Klarglasscheinwerfer, das riesige Markenlogo im Kühlergrill und eine kantigere Linienführung. VW nennt den Maxi-Van in einem Atemzug mit dem Nobel-Offroader Touareg und der Luxuslimousine Phaeton. Das zeigt deutlich, wo VW seinen Bestseller einordnet: ganz oben. Entsprechend beginnt die Preisliste für den Maxi-Van bei 32.500 Euro und endet bei 48.000 Euro - praktische Extras wie ein Navigationssystem nicht eingerechnet. Die ersten Exemplare stehen Ende April bei den VW-Händlern zur Probefahrt bereit.
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Komfort und Stil
Im Innenraum ist nichts mehr vom spröden Charme eines Transporters zu spüren. Weiche Kunststoffe, geschmackvoll eingesetzter Chrom-Zierrat und eine dezente Geräuschkulisse stoßen die Tür zum automobilen Oberhaus auf. Das Streben der Ingenieure nach dem perfekten Transportmittel offenbart das optionale Kommunikationssystem DVE (Digital Voice Enchancement). Lautsprecher und Mikrofone über den einzelnen Sitzplätzen ermöglichen während der Fahrt eine Unterhaltung über alle Plätze hinweg in Zimmerlautstärke. Kinder dürften den neuen Multivan nicht nur wegen der guten Sicht aus dem Fahrzeug und den zahlreichen Ablagen lieben. Sie genießen dort auch besonderen Schutz: Dreipunktgurte und Isofix-Kindersitzverankerungen sind im Fond auf allen Plätzen vorhanden. Ebenfalls neu: das Sicherheitssystem KSI. Es verhindert bei eingebautem Kindersitz, dass sich der Gurt wieder abrollen kann. Auf den vorderen Plätzen sorgen sechs Airbags für Sicherheit.
Wieselflinkes Schwergewicht
Effektiv gekapselte Motoren und eine per Fahrschemel von der Karosserie entkoppelte Vorderachse sorgen zudem für eine niedrige Geräuschkulisse. Trotz beeindruckender Maße (1,90 m breit, 1,94 m hoch) erteilt der Multivan auf verwinkelten Landstraßen so mancher Limousine eine Lehrstunde. Der 2,3 Tonnen schwere Brocken folgt ohne lästige Seitenneigung den Befehlen der direkt ausgelegten Servolenkung. Ohne die nötige Zurückhaltung am Volant leiden allerdings die Passagiere in der zweiten Reihe unter den sportlich spontanen Reaktionen des Multivan.
Neue Kraft
Die Motorenpalette reicht vom 1,9-Liter-Vierzylinder-TDI mit 105 PS (77 kW) über den bewährten 2,0-Liter-Benziner mit 115 PS (85 kW) bis zum 3,2-Liter-VR6 mit 230 PS (174 kW). Komplett neu ist ein 2,5-Liter-Fünfzylinder-TDI mit wahlweise 130 PS (96 kW) oder 174 PS (128 kW). Beide Varianten überzeugten bei einer ersten Probefahrt mit spontaner Einsatzfreude und guten Manieren. Am deutlichsten wird der Leistungsunterschied beim Beschleunigen auf der Autobahn. Während dem kleinen TDI bei 168 km/h die Puste ausgeht, rennt der große Bruder maximal 188 Stundenkilometer. Dank des enormen Drehmoments von 340 Nm (128 kW: 400 Nm) wirkt auch der schwächere TDI keinesfalls untermotorisiert. Beide Turbodiesel-Direkteinspritzer verbrauchen laut VW im Durchschnitt nur 8,0 Liter.
Variabel ohne Ende
In der Basisausstattung verfügt der Multivan über sechs Sitzplätze - zwei vorne, ein um 180 Grad drehbarer Einzelsitz in der zweiten Reihe und ganz hinten eine Sitzbank. In der Comfortline-Ausstattung kommen eine Schiebetür auf der Fahrerseite und ein weiterer Sitz in der zweiten Reihe hinzu. Während die Basisversion des Multivan über einen seitlich ausklappbaren Tisch verfügt, beeindruckt in den übrigen Versionen ein mittig platzierter, ausfahrbarer Tisch. Das mit zahlreichen Fächern und Becherhaltern ausgestattete Objekt erweist sich als äußerst praktisch und erinnert zusammengefaltet an einen schicken Designer-Computer. Schließlich wird auch die Highline-Ausstattung ihrem Namen gerecht - Leder, Climatronic, Tempomat, Regensensor und elektrisch zu öffnende Schiebetüren lassen nur noch wenige Wünsche offen.
Lademeister zum Einschlafen
Im Gegensatz zum Vorgänger T4 entsteht im neuen T5 durch Umklappen der hinteren Sitze keine ebene Fläche. Die bietet erst eine optional erhältliche Bettverlängerung, die an Stelle der zweiten Sitzreihe montiert werden kann. Serienmäßige Rollos an den seitlichen Schiebetüren und eine optionale Sichtblende für das Heckfenster sorgen beim Campen für Sichtschutz. Über Gleitschienen im Boden lässt sich die Möblierung im Fond flexibel platzieren. Durch Um- und Ausbauen der Sitze wächst das Ladevolumen auf bis zu viereinhalb Kubikmeter.
Fazit: Geräumig wie ein Lieferwagen, agil wie ein Kompakter und komfortabel wie eine Limousine. Der neue Multivan ist tatsächlich einer für alles und alles in einem, wie es die VW-Werbung verspricht. Einzig die gepfefferten Preise dürften nicht jedermanns Geschmack treffen.
(02/03) mototype, Holger Schilp
| Allianz Autowelt Datenblatt |
Fahrzeug | Volkswagen Multivan |
Motor | 2.461 ccm, 5 Zylinder, Reihe |
Leistung | 96 kW (130 PS) |
Drehmoment | 340 Nm bei 2.000 U/min |
Fahrleistungen | 168 km/h, 0-100 km/h in 15,3 s |
Verbrauch | 8 Liter Diesel/100 km |
Schadstoffnorm | Euro 3 |
Gewicht/Zuladung | 2.274 kg leer, 726 kg Zuladung |
Abmessungen | 4.890 x 1.910 x 1.940 (LxBxH) |
Kofferraum | 1.208 Liter (max. 4.525 Liter) |
Basispreis | 35.500 Euro |
Stand 02/2003
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