Risiken beim Abschleppen
Oft werden Autos nach einer Panne von Privatpersonen abgeschleppt. Die Sicherheitsexperten des Allianz Zentrums für Technik (AZT) haben Abschleppstangen und -seile getestet und klären über die Risiken des Abschleppens auf.
Allianz Versicherungs-AG
München, 06.10.2005
München, 06.10.2005
Wer sich hinter das Steuer seines Kraftfahrzeugs setzt, erwartet ohne Probleme am Ziel seiner Fahrt anzukommen. Kaum jemand denkt im Vorfeld einer Fahrt daran, mit einer Panne liegen zu bleiben. Geschieht dies dennoch und der Wagen muss abgeschleppt werden, gibt es einiges zu beachten, damit Passagiere und Fahrzeug sicher zur nächsten Werkstatt gelangen.
Testreihen im Allianz Zentrum für Technik haben ergeben, dass das Abschleppen eines Pkws erhebliche Risiken birgt und nicht nur zu Schäden am Fahrzeug führen kann, sondern auch zu Unfällen. Den Auswertungen der Tests zufolge ließe sich das Sicherheitsrisiko deutlich verringern, wenn beim Abschleppvorgang einige Ratschläge berücksichtigt werden.
Das AZT gibt folgende Tipps für ein sicheres Abschleppen:
- Die Geschwindigkeit darf maximal 30 km/h betragen.
- Das Abschleppseil sollte 4 bis 4,5 Meter lang sein.
- Eine Abschleppstange darf nicht diagonal zwischen den Fahrzeugen befestigt werden.
Vor dem Abschleppen Betriebsanleitung beachten
Schon bei der Anbringung von Abschleppseil oder -stange ist ein Blick in die Betriebsanleitung ratsam. Sie hilft nicht nur beim Auffinden oder Anbringen der Abschleppöse, sondern enthält auch Hinweise zu Besonderheiten bei Allrad- oder Automatik-Fahrzeugen.
Belastbarkeit von Abschleppseilen oder -stangen
Die zweite im AZT durchgeführte Testreihe galt der Belastbarkeit von Abschleppseilen oder -stangen. Dabei waren die Ergebnisse durchweg positiv: Solange das Gewicht des abgeschleppten Fahrzeugs die Nennlast des Seils oder der Stange nicht überschritt, wies kein Produkt Festigkeitsprobleme auf. Diese gab es erst im Zusammenhang mit leichtsinnigen oder falschem Fahrverhalten beim Abschleppen.
Abschleppseile: Kollisionsgefahr beim Bremsen
Beim Abschleppen mit Seil besteht eine große Kollisionsgefahr zwischen Zugfahrzeug und Abgeschlepptem, wenn sie plötzlich bremsen müssen. Berechnungen im AZT ergaben: Bei einer Notbremsung aus einer Geschwindigkeit von mehr als 24 km/h und einer Seillänge von 3,5 m ist der gezogene Fahrer nicht mehr in der Lage, eine Kollision mit dem ziehenden Fahrzeug zu vermeiden. Ein Seil von 4,5 m Länge ermöglicht eine sichere Abschleppgeschwindigkeit von maximal 30 km/h.
Abschleppstangen: Gefahr des Ausbrechens
Weil beim Einsatz von Abschleppstangen die Bremse des ziehenden Fahrzeugs auch auf das gezogene wirkt, fühlen sich die Stangenbenutzer bei Bremsmanövern sicher. Zu Unrecht, wie Versuche im AZT ermittelten.
Messungen haben gezeigt, dass die Kräfte in der Abschleppstange beim Bremsen deutlich größer werden als beim Anfahren. Dabei ergibt sich ein erheblicher Einfluss auf das ziehende Fahrzeug, das sozusagen weggeschoben werden kann.
Bremst ein Fahrzeug mit schräg angebrachter Abschleppstange, erzeugt die Masse des hinteren Fahrzeugs eine Kraft, die seitlich auf das Fahrzeugheck wirkt. Wenn diese Kraft größer ist als die Seitenkraft der Hinterachse, bricht das Gespann aus. Bei einer Notbremsung mit diagonal angebrachter Stange ist der Crash beider Autos miteinander unvermeidlich.
Schlussfolgerungen des AZT
Erfahrungen aus der Versicherungswirtschaft besagen, dass es bislang hauptsächlich beim Abschleppen von Lkws zu derartigen Unfällen kam. In den Versuchen des AZT wurde dieses Verhalten auch bei Pkws beobachtet.
Dies ist auch eine Folge des zunehmenden Leergewichts moderner Pkws. So wurde z.B. ein VW Golf I 1983 mit 800 kg Leergewicht gebaut. Heute hat der Golf V bereits ein Leergewicht von ca. 1.300 kg. Das Risiko nimmt also zu.
Beim Abschleppen eines liegengebliebenen Pkws liegen die Risiken oft im Detail. Angefangen von der Wahl des richtigen Abschleppmittels und dessen richtigem Einsatz bis hin zu besonders umsichtiger Fahrweise und der Beachtung fahrzeugtypischer Eigenheiten gibt es viele Möglichkeiten, das Risiko überschaubar zu halten.